1. August Rede in Bremgarten 2017

Gschätzti Dame und Herre Stadtröt, Liebi Bremgarterinne und Bremgarter, Geschätzti Fründe und Bekannti, Liebi Gäst vo nah und fern

Alle Jahre wieder – alle Jahre wieder fiiret mir de ersti August. Und alle Jahre wieder haltet mir Rede. Rede über dSchwiiz und mir machet eus Gedanke zum Lebe, eusem Land und eusere Welt, wo mir drinne lebet. Und alle Jahre wieder, besinnet mir eus nach eusere Identität mit eusem Land. Das isch e schöni Tradition. Und ich danke Ihne, dass ich hüt die ehrevolli Ufgab vor dere wunderschöne Kulisse da zBremgarte döf überneh und die Tradition wiiterzfüehre chan.

Wie isch es da dezue cho?

16 isch mini Glückszahl und sJahr 2016 isch für mich im wahrsten Sinne des Wortes es Glücksjahr gsi. Ich bin letscht Jahr, churz nach mim 30. Geburtstag und churz nach bestandener Ahwaltsprüefig, in Grosse Rat gwählt wurde – no bevor ich überhaupt einisch im Rat gsi bin – isch denn scho sEmail vo Bremgarte Tourismus cho, wo’s gheisse hed: Bremgarte hed jetzt wieder en Grossrat, jetzt hemmer eine, wo en erst August Red chan halte. Ich ha de natürlich sofort zuegseid. Im Wüsse, dass da nöd nur mini einzig Ufgab da in Bremgarte isch. Im Bremgarter Bezirksahzeiger hani denn glich no eis druf geh und gseit: „Ich möchte den Nagel auf den Kopf treffen.“ Damit mir das au glingt, hani zur Sicherheit au en Hammer und en Nagel debi.

Ich chum spöter uf de Hammer und die Nagel zrugg.

Mit minere Red möcht ich ihne zeige, was de erst August für mich bedütet. Zum bi ihne en Nagel ihdschlah oder Sie zu mindest es biz zum denke ahdsrege. Ich hoffe natürlich, dass sie mich nachher nöd gad amene Nagel ufhenket.

Die Idee Schweiz:

D’Schwiz isch, wenn mers gnau ahluegt, eigentlich nüt anders als en Idee. dSchwiiz isch dIdee vo Lüüt, vo de alte Eidgenosse, wo sich zäme da händ und gseit hend „mitenand gaht’s besser als gegenenand“. D’Schwiiz isch en idee; D’Schwiiz hed kein andere Existenzgrund; dSchwiz hed kei geografischi Logik; dSchwiz hed kei ethnografischi Logik; dSchwiz isch usere Idee entstande: Us de eifache Idee, mer will zunenand luege, enand helfe und zäme simmer stärker als elei! Das isch dIdee vo de Schwiiz. Die Idee gseht mer sogar im Bundeshuus. Det giz e Deckebemalig mit em inoffizielle Wahlspruch vo de Schwiiz. De heisst: Unus pro omnibus, omnes pro uno. J Das isch latinisch, aber mir kennet de Spruch au vom Alexandre Dumas sim berühmte Roman die Dreimusketiere. Es heisst nüt anders als EINER FÜR ALLE, ALLE FÜR EINEN.

So isch de Spruch au i zahlriche neuere Bundesbriefe festgehalte wurde, was schlussendlich Grundlag für Gründig vo eusem hütige Bundesstaat isch. Und bis hüt zu eusem Zämehaltsgfühl biitreit hed.

I de Schwiiz isch das „einer für alle und alle für einen“ en klare Usdruck vo eusere Willensnation. E Willensnation brucht au en Zweck, will ohni Grund isch mer ja nöd eifach so freiwillig mit de Tessiner, de Walliser, de Romands und de Thurgauo zäme. Will die verstömmer ja gar nöd recht da zBremgarte. Spass bei Seite. Ide Schwiiz bildet de gemeinsame Wille – s’Maximum a politischer Freiheit zgnüsse – de gmeinsami Zweck.

Eini vo de wichtigste Vorussetzige für eusi Willensnation isch drum e dezentralisierti oder au föderalistischi, vom Volk her ufbauti Demokratie und dademit wird vor allem de verschiedene Minderheiten die grösstmöglich Selbstbestimmig gewährt. Es setzt aber au dBereitschaft vo de Mensche i dem Land vorus, viel Verantwortig züberneh. Sie chönd nämlich mitbestimme a de Gemeindeversammlige oder a Volksabstimmige, mer cha sich im Stadtrat oder i verschiedene Kommissione für d’Jugend oder i de Schuelpfleg engagiere. All das isch Usdruck vo de Idee Schwiiz: Einer für alle, alle für einen. DASS DAS KLAPPET, MUSS ABER JEDE MITMACHE und jede muss sich mit aktuelle Theme beschäftige. Denn e Demokratie lebt vo ihrem Volk, und wenn’s im Volk egal isch, was i dem Land passiert, hemmer plötzlich es Problem. Drum isch es wichtig, dass sich vorallem au Jungi für’s Gschehe i dem Land interessieret und engagieret.

Ei frag hani glich no: Wer sind denn alle? Und wer isch de einti, wo da alli für ihn sind? Ich glaube mir cha euses Land mitere gute Fuessballmannschaft vergliche. Villicht sogar eusere Fuessballnationalmannschaft. Die werdet nämlich dur die verschiedene Ursprüng, wo all die Spieler hend au zumene wahnsinnig starke Kollektiv – so wie eusi Nation.

Und wenns etzt lüüt gid, wo findet, ide Schwiizer Fuessballnationalmannschaft spielet ja gar kei richtigi Schwiizer, denn frag ich Sie, gschätzti Dame und Herre: „Was isch denn Schwiizerischer als dSchwiizer Fuessballnationalmannschaft?“ Die verkörpert doch genau die Idee vo Verschiedeheit vo eusem Land und trotzdem isch es en Einheit, es guet Team, wo zäme hebt, jede sini ufgab hed und doch international prägt wird. So wie euses Land: 26 Kantön, 4 Sprache, meh als 100 Internationali Organisatione und gfühlti 25 verschiedeni Schuelsystem. Das isch doch genau typisch schwizerisch. Es gid drum nöd e liberali Schwiiz oder e konservativi Schwiiz, es gid au kei schwarzi oder wissi Schwiiz, es gid au kei homesexuelli oder heterosexuelli Schwiiz – nei es gid nur ei Schwiiz! Und das sind mir. Und jede vo eus treit da es Stuck bi. Und ich bin überzügt, wenn de Behrami es Goal schüsst oder de Yann Sommer de Penalty im WM Final hebt. Chund dene ehre Ursprung nöd druf ah und au de Christoph Blocher lüfts vom Sitz. Alle für einen, einer für alle. Das isch euse Leitspruch. Jetzt muss eusi Nationalsmannschaft nur no Weltermeister werde. Und sust isch nöd so schlimm, mir händ ja no de Roger Federer.

Zum di vorherig Frag zbeantworte: Alle sind mir und einer isch jede einzeln vo eus. Jede einzeln vo eus, hed dMöglichkeit das Land zbeiflusse und en Nagel ihdschlah. Segs mit sinere Stimm, sim Engagement für Kultur, Sport, dJugend oder als Unternehmer, jede wo mitmacht und mitdenkt, haltet das Land am Lebe. Mir Mensche sind somit de Puls vo eusere Nation. Und jede, wo en Idee hed, chan die Idee ihbringe und es wird drüber diskutiert. Das nennt mer Demokratie. Demokratie isch zwar nöd en Erfindig vo de Schwiizer, aber dSchwiiz isch sicher das Land gsi, wo die Demokratie unglaublich guet umgsetzt hed. Das heisst, die wichtigst Rolle i eusem demokratische Land hed nöd de Präsident und au nöd Regierigsrat und scho gar nöd dAargauerziitig oder Twitter! Die wichtigst Rolle im Land isch die vo jedem einzelne Bürger da! Ich bin drum Fan vo eusem Land und eusem System. Au wenn das System mich mängisch unglaublich fest nervt und mir im Grossrat ganz viel Sache 3 oder 4 Mal diskutieret und s’System drum au langsam isch, aber dafür beständig, Rechtssicherheit bütet und alli mitrede chönd, wo mitrede wänd. So findet mir i de Regel de berühmti Schwiizer Kompromiss.

dSchwiiz hed scho ganz früeh de Wille zum Kompromiss und zum zäme sii verkörperet. Aber sie hed no viel meh verkörperet: Offeheit, Internationalität, Präzision, Pünktlichkeit, Erfindergeist, Verhandligsgschick, Solidarität, Rechtssicherheit, dStärki vom Volk hed mer gmesse am Wohl vom Schwächste. Das stad so ide Präamble vo Bundesverfassig. Und das macht es guets Team, ob im Fuessball ide Arbeitswält oder als Nation us.

Was isch denn das System hüt no Wert? Wie gseht dSchwiiz vo hüt us?

Wenn mer hüt mängisch de Politiker zuelost, hani amig sGfühl, dass es us Sicht vo dene am gschidschte wär, mir würed e riesigi Muur um euses Land baue, dOhre zue due, dAuge verschlüsse und schwiige zu all dene Problem uf dere Welt! Das wär aber alles anderi als schwiizerisch. De Schwiizer hilft, de Schwiizer will zeme sii und de Schwizer will mitrede. Es brucht drum kei Muure um oder i eusem Land, sondern Brugge! Brugge zwüsche de Mensche i dem Land. Brugge zwüsche de Generatione, Brugge zwüsche arm und rich, Brugge zwüsche stark und schwach, Brugge zwüsche links und rechts, Brugge zwüsche de Schwiiz und em Usland und es brucht Brugge zwüsche de Wirtschaft und de Hochschuele. So wie au Bremgarte und Hermetschwil e Brugg zuenand baue hend. Und wie mer gseh hed, hed sich die Brugg als Erfolgsgschicht bewährt. Zäme simmer stärker als elei. Zäme chömmer neui Idee und Projekt viel besser umsetze.

De Wille zäme gmeinsam öbis zbewege! Das ist Schweizerisch! Und das fangt scho im chline ah. Will all die chline, wunderbare Projekt vo jedem einzelne vo ihne machet das Lebe so richtig lebenswert. Ich ha drum au grössti bewunderig für all die Mensche, wo sich da in Bremgarte tagtäglich in irgendere Form engagieret. Und ich möcht ihne dadefür danke säge, danke dass Sie das mached. Sigs als Junioretrainer imene Sportverein, als Organisator, Helfer oder Sponsor vo all dene super Ahläss i eusere Stadt, als Lehrer, wo eusne Chind unglaublich viel Wüsse für ihres Lebe und ihri zuekünftige Projekt mitgebet, als Marktorganisator, als Würstlistandbetriber jede Fritig und Samstig, das isch so schön, wenn mer ide Altstadt cha sitze, es Bierli trinke und chli schnörre oder eis Jasse, oder als Unternehmer da in Bremgarte.

Ich ha drum au grosse Respekt vor all dene, wo da es eignigs Gschäft ufdüend oder bereits sit langem erfolgriich betriebet und a die Stadt und de Standort Bremgarte glaubet. Will dank dene, hemmer Arbeitsplätz und Lebe da i dere Stadt und das macht die Stadt überhaupt lebenswert und farbig. Mir döfet eus drum nöd uf all dene Loorbeere vo eusne Grosseltere usruebe. Mir müend luege, das eusi Unternehme Geld ihnehmet und sich da in Bremgarte und de Region neui KMU’s ahsidlet und’s muetigi Jungunternehmer gid, wo mer unterstützet. So wie zum Biispiel die neu Tofufabrik in Wide, sneue Konzept vom Hotel Sunne oder mim Kolleg sis neu eröffnete Malergschäft. Die und vieli anderi Unternehmer fördert da ganz lokal dArbetsplätz und Lebensqualität vo jedem einzelne vo eus. Will dur da Lebe i die Stadt und dRegion chund und sGeld wieder lokal usgeh wird.

Ich wür mich nie defür ha, e grenze dschlüsse und trotzdem bitt ich sie. Nehmet sie als Konsument ihri Verantwortig wahr, überleget sie, wo Sie was gönd go poste? Vo wo chund sFleisch und de Fisch, wo Sie jede Tag esset und lohnt sich’s denn würkli, vo Bremgarte über Grenze ds’fahre de gueti Schwiizerlohn bi de Dütsche usgeh? Um denn nachher endi Jahr z’flueche, wenn’s kei Lohnerhöhig gid? – Mir Mensche, jede einzeln vo eus hed sis Glück selber ide Hand. Jede vo eus isch en Teil vo dem Gschehe da und jede hed dMöglichkeit das Land, de Kanton oder die Stadt zbewege und en en Nagel ihdschlah. Glaubet Sie a ihri Träum, Visione und Idee. Denn chönd sie die au verwürkliche. So wie die alte Eidgenosse, wo gfunde hend: Zäme simmer stärker als elei.

Glichzitig döfet mir de Blick uf s’grosse Ganze nöd verlüre, uf eusi Welt. Ganz eifach, will mir en Teil vo dere Welt sind und mir eusi Auge nöd chönd und döfet verschlüsse vo dem, was uf eusem Planet passiert. Und ich bin überzügt und ich wünsche mir vo Herze, dass mir als chlini, neutrali Schwiiz chönd, unter anderem als Vorbild für die Welt agiere und uf dere Welt no ganz viel bewirket. Mir sind sinternationalste und nationalste Land glichzitig. Drum chömmer hoffentlich de eint oder ander Chrieg mit eusem diplomatische Gschick und eusem Netzwerk verhindere, luege das nöd de ganz Regewald abgholzt wird, dass alli Mensche öbis ds’esse hend, all Chind uf dere Welt id Schuel chönd gah und es Dach überem Chopf hend. Da giltet weltwiit s’Motto einer für alle, alle für einen.

Ich bin aber au überzügt, dass es kommendi Generatione no besser chönd ha unds hoffentlich mal e Welt ohni Chrieg wird geh. E Welt, wo all friedlich zämeläbet. Ich gseh drum Zukuenft vo eusem Land i sinere Weltoffeheit. E Schweiz, wo dChance vo de Zuekunft gseht. E Schwiiz, wo es Vorbild isch, e Schwiiz, wo kei Muur um ihres Land baut, e Schwiiz, wo ihri Verantwortig als eis vo de richste Länder uf dere Erde wahrnimmt, e Schwiiz, wo Familie und Bruef verihbart, e Schwiiz, wo weiss, dass sie wege, und nöd trotz ihrere Offenheit es erfolgrichs Land isch. E Schwiiz, wo nebe de Wirtschaft au ad Umwelt denkt und nachhaltig handlet. E Schwiiz, wo sich dMensche für sie engagieret.

dSchwiiz wird ihri beste Ziite no ha. Und zwar denn, wenn mir eus für das Land, eusi Demokratie und sini Stärkene wiiterhin ihsetzet. Und mir für die Schwiiz kämpfet und ihstönd, wo mir eus wünschet. sMotto zäme simmer stärker hed sich bewährt. Nöd nur ide Schwiiz vo gester, sondern au ide Schwiiz vo hüt und ide schwiz vo morn wie au uf de ganze Welt.

Ich han vori gseid, ich ha en Hammer und en Nagel debi. Ich han aber no öbis wiiters debi: Zetteli und Stifte (us de Schwiz), die ligget bi ihne uf em Tisch. Ich han au gseit, e Nation isch nur so guet, wie sies Volk. Mini Ufgab als Volksvertreter isch es, nöd nur netti Rede dschwinge, sondern oder vorallem au guet zuedslose oder wie mer so seit, de Puls vo de Nation spühre. Ich will die Chance hüt gad nütze und sgrösschte Brainstorming im Aargau (villicht sogar ide Schwiiz oder uf de Welt) verahstalte.

Vor ihne ligget Zättel und Stifte. Ich bitte Sie, ihri Wünsch, Idee und Visione, wo Sie ad Politik i dem Land hend uf die Zätteli ufdschriebe und mit emene Nagel, da a das Brett schlah. So händ sie all dMöglichkeit de Nagel uf de Chopf dstreffe, en Nagel bi mir ihdschlah… Und wenns irgendwie möglich isch, wird ich ihne de Wunsch als Grossrat in Form vomene Vorstoss versueche z’erfülle. Am beste sind natürlich auch Wünsch und Idee vo Chind, die sind ehrlich und denket meistens noni so ihgschränkt, wie mir Erwachsnige. Sie müend da nöd sofort mache, villicht chund Ihne im Lauf vom abig no öbis in Sinn. Denn schriebet sies uf. dStifte döfet sie übrigens gern mitheineh, au die sind ide Schwiiz us Schwiizer Holz hergstellt und bedruckt.

Gschätzti Dame und Herre, ich wünsche Ihne viel Glück bi allem, was sie machet! Und vergesset sie bitte nöd, mir händs richtig guet da, dass mer da gebore sind, imene land, wo mer chönd mitrede und mitbestimme, wo jede es Dach überem Chopf hed und id Schuel döf gah. Genau das fiiret mer hüt! Nutzet sie die Möglichkeit vom Mitrede au! Nutzet sie die Chance, schriebet Sie ihri Idee, wie mer das Land vorwärts bringet, uf und schlönd Sie de ersti Nagel für e wiiterhin positivi Zukunft vo dem Land ih.

Ich hoffe, ich ha de Nagel uf de Chopf troffe. Ich danke Ihne für dUfmerksamkeit und wünsche Ihne allne i dem Sinn en wunderschöne erste August!

 

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