Meine erste Frage vorweg: Was ist das Ziel der Minarett Initiative?
Ich wundere mich sehr, wie die Verantwortlichen der Minarett Initiative argumentieren und wie schlecht Unterstützer einer solchen Initiative aufgeklärt sind. Victor Giaccobo hat in seiner Sendung “Giaccobo Müller” relativ frech und taff erklärt, dass sich die Islamisten nicht in der Minarett befinden und sie kommen wohl auch nicht in die Schweiz, weil hier eventuell Minaretten gebaut werden können.
Ich glaube, dass viel weiter vorne begonnen werden muss. Eventuell müssen sich die Damen und Herren der SVP und der EDU kurz Zeit nehmen und sich mit dem Islam auseinandersetzen, bevor alle als “Islamisten” bezeichnet werden. Muslime und Personen der islamischen Glaubensgemeinschaft sind keine Islamisten.
Islamisten sind Personen mit radikalen, fundamentalistischen Denkhaltungen. Genau so wie die christlichen Fundamentalisten, welche ich persönlich in einer westlichen Gesellschaft viel mehr verurteile, aufgrund dessen, dass sie hier geboren sind und unsere westliche Weltanschauung kennen sollten!
Im Weiteren bedeutet der Begriff “Allah” nichts anderes als “Gott” auf arabisch. Auch Christen in Ägypten nennen Gott beim arabischen Namen, Allah.
Jetzt aber zum eigentlichen Thema. Braucht es eine Regelung, welche verbietet Minaretten zu bauen? Es ist eigentlich logisch, dass niemand mitten in die Berner Altstadt eine Minarett bauen kann, nur schon wegen unseren Baugesetzen und Bauverordnungen. Abgesehen davon, dass diese Gesetze jetzt schon sehr streng sind, (als Beispiel dienen hier die Vorschriften der Dorfkernzonen, welche es teilweise sogar verhindern, dass Solarzellen aufs Dach gestellt werden) müssen wir uns bewusst sein, dass wir als Volk die Religionsfreiheit respektieren wollen.
Sollten wir in unserer multikulturellen und grundsätzlich offenen Gesellschaft nicht jedem die Möglichkeit geben seine religiösen Freiheiten im Rahmen unserer westlichen Weltanschauung (Menschrecht, zwingendes Völkerrecht) und unserer Gesetze zu leben?
Wegen einer Minarett pilgern die Terroristen und Fundamentalisten nicht in die Schweiz, wohl dann eher wegen unserem Bankgeheimnis
Ich bitte Sie daher, lassen Sie sich nicht beirren. Integration und Zusammenarbeit hilft uns viel mehr als die Augen zu verschliessen und über die “Islamisten” zu fluchen.
Ich bin stolz auf unser direktdemokratisches System, ich bin stolz darauf in einem Land zu leben, in dem eine solche Mitbestimmungsmöglichkeit für die Bevölkerung besteht. Ein Minarett ist ein Bauwerk wie jedes andere, über dessen Bau in einem ordentlichen baurechtlichen Verfahren beschlossen werden soll. Die Minarett-Initiative will grundlegende Errungenschaften unseres toleranten, liberalen, demokratischen Staates aushebeln.
Grundrechte wie die Rechtsgleichheit, die Glaubens- und Gewissensfreiheit, aber auch die Eigentumsgarantie oder den Grundsatz der Verhältnismässigkeit werden dadurch gefährdet. Die Schweiz würde in ihrem Engagement gegen religiöse Diskriminierungen auf der Welt und in ihrem Engagement für die Menschenrechte unglaubwürdig. Ganz abgesehen von den möglichen Folgen für die Sicherheit der Schweiz, wenn sie international als islamophob wahrgenommen würde.
Wir brauchen, deshalb keine weitere Norm und schon gar kein weiterer Populismus gegen Ausländer, denn so findet eine Integration nicht statt.
Obama hat gestern mit seiner Rede dem Islam die Hand gereicht und will zusammen, gemeinsam diese Welt verbessern und prägen. Machen wir es auch so, denn nur zusammen kommen wir vorwärts und können etwas positives bewirken.
One world one vision!