GR 16.261: Mindestanzahl Schülerinnen für die Durchführung des Wahlfachs Latein

Sehr geehrte Frau und Herren Regierungsräte,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen

Begabtenförderung heisst: Lernende, die als überdurchschnittlich begabt identifiziert wurden zu unterstützen. Ziel ist es, die Entwicklung der Potenziale dieser Lernenden bestmöglich zu begleiten. Dies ist mit verschiedenen Mitteln möglich. In den USA kennt man die sogenannte Summerschool oder Enrichement Programs, in welchen die Schüler ihren Neigungen und Begabungen nach gefördert werden.

Die Motionäre bezeichnen Latein als einziges Fach zur Begabtenförderung. Dies ist kein Argument resp. stimmt das so nicht. An sich hat der Kanton verschiedene Angebote zur Begabtenförderung in ganz verschiedenen Bereichen (z.B. regionale Angebote, Mathe, Bio, Sport oder im musischen Bereich). Die Fraktion der GLP steht dem Postulat deshalb skeptisch gegenüber. Aus Sicht einzelner Mitglieder unserer Fraktion wird Latein im Kontext der Begabtenförderung sogar als überbewertet bezeichnet und stellt eher eine „Begabtenbeschäftigung“ als eine „Begabtenförderung“ dar. Zu denken ist hier an das ewige Wörtli lernen. Dass Latein trotzdem etwas zur Förderung einzelner Schüler beitragen kann, möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht in Abrede stellen. Denn Latein verlangt effektiv eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Sprache, was kognitiv anspruchsvoll ist. Dass man dazu Wörtli und Formen lernen muss, ist selbstverständlich.

Dies ist jedoch noch lange kein Argument zur Annahme dieses Postulats.

Ein Argument wäre, dass Latein insofern eine spezielle Stellung hat, als dass an den Mittelschulen daran angeknüpft werden kann (und zwar im Akzentfach Latein). Wenn also an Bezirksschulen kein Lateinkurs geführt werden kann, schränkt das angehenden Gymnasiastinnen und Gymnasiasten die Wahlmöglichkeit fürs Akzentfach ein. Das ist keine völlige Katastrophe, aber doch eine Ungleichbehandlung einzelner (das ist bei zwei Bezirksschulen im Kanton der Fall). Das Aufarbeiten des Lateins an der Kantonschule ist zwar möglich, doch führt es nicht zum gleichen Lateinabschluss, wie wenn jemand das Akzent- und dann das Schwerpunktfach Latein wählt. Für gewisse (wenige) Studienrichtungen kann dies möglicherweise entscheidend sein.

Nun stellt sich die Frage, wie das Problem gelöst werden kann: Wollen wir kleinere Klassen? Und wie rechtfertigen wir dies gegenüber anderen Wahlfächern? Oder liegt das Problem nicht eher daran, dass es einige Bezirksschulen gibt, welche schlicht und einfach zu klein sind und deshalb ihren Schülern kein breites Wahlfachangebot anbieten können. Damit dies in Zukunft klappt, schlage ich vor, dass sie sich mit anderen Bezirksschulen aus der Region zusammen schliessen sollen und so Synergien nutzen könnten. Damit würde der Kanton für seine Schülerinnen und Schüler attraktiver und man würde erst noch etwas Geld sparen, weil dieselbe Stunde nicht doppelt unterrichtet werden muss.

Deshalb ersuche ich Sie, das Postulat abzulehnen.

In diesem Sinne hoffe ich, dass ich mich nicht irre, anderfalls gilt das gute alte lateinische Sprichwort:

Errare humanum est. Irren ist menschlich.

Dieses Sprichwort darf natürlich auch für uns Politiker gelten.

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