Eine Zukunft mit oder ohne Atomkraftwerke?

Im Rahmen des Moduls Rhetorik, habe ich ein Votum der Dauer von ca. 5 Minuten vorgetragen.

Eine Zukunft mit oder ohne Atomkraftwerke?

Geschätzte Kolleginnen und Kollegen,
sehr geehrte Dozenten,

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie sich Zeit genommen haben, in der letzten Semesterwoche so spät am Abend sich auch noch mein Votum anhören zu wollen und zahlreich hier erschienen sind.

Ich möchte an dieser Stelle die wichtige Frage aufwerfen, wie unsere Energiezukunft aussehen soll? Insbesondere, ob diese Zukunft mit oder ohne Atomstrom erfolgen soll? Klar ist, dass wir eine nachhaltige Lösung benötigen. Eine Lösung, welche uns Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Sozialverträglichkeit garantiert.

Tut dies der Atom Strom wirklich?

Grundsätzlich spreche ich mich nicht per se gegen Atomkraftwerke aus. Trotzdem sehe ich drei essentielle Probleme, welche gelöst werden müssen: Kostenwahrheit, Sicherheit und Entsorgung

  • es gibt zurzeit keine Kostenwahrheit beim Atomstrom. Denn die Haftpflichtversicherung von AKW Betreibern deckt nur einen geringen Teil der möglichen Kosten(1 Milliarde, möglicher Schaden 4200 Milliarden)  Müssten die AKW Betreiber wie jedes KMU die Kosten für die Haftpflichtversicherung selber tragen, würde sich der Atomstrom massiv verteuern. Ergo: der Atomstrom wird zurzeit massiv subventioniert und es herrscht eine Marktverzerrung und daraus folgen falsche Anreize (nämlich der, dass Atom Strom der günstigste Strom ist…).
  • Wo Menschen Arbeiten, passieren Fehler. Folglich gibt es auch bei AKW’s ein Restrisiko. Dieses Restrisiko können wir nicht nur Wirtschaftlich tragen, sondern auch als Staat nicht. Denn sollte es einen AKW Schaden geben, hat die Schweiz, so wie wir sie heute kennen aufgehört zu existieren. Ein Staat, der sich zum Wohle seines Volkes einsetzt kann, darf und sollte ein solches Risiko nicht eingehen.
  • Problematik Endlagerung und Eigenverantwortung: Wir sprechen von Halbwertszeiten von x-Tausenden von Jahren. Wir können kaum die Verantwortung für die kommende Generation übernehmen, wie ist es mit 100 oder 1000 oder 10000 Jahren? Das Atom Vergraben und die Augen zu schliessen löst das Problem nicht.

So lange die vorhin erwähnten Punkte nicht gelöst sind, kann ich mich nicht für einen Neubau eines Atomkraftwerkes aussprechen.

Nun stellt sich die Frage, wie sollen wir uns ohne AKWs mit Strom versorgen? Dazu hat der Bund eine Studie zur Energie Versorgungssicherheit mit vier Szenarien erstellt. Eines dieser vier Szenarien setzt voll auf Energieeffizienz und 100% erneuerbare Energie und zeigt auf, dass unsere Stromversorgung auch ohne Atomstrom funktioniert und dies uns nicht zusätzliches Geld kostet.

Ein neues AKW kostet die nächsten 50 Jahre ca. 80 Milliarden Schweizer Franken. Diese 80 Milliarden Schweizer Franken – stellen Sie sich diesen Betrag vor, liebe Kolleginnen und Kollegen, das sind mehr als 10 000 CHF pro Einwohner – diese 80 Milliarden könnte man in die Forschung von neuen Technologien, in die Sanierung von Häuser, auch kann in die Förderung von erneuerbaren Energieerzeuger, wie Wasserkraftwerke oder Geothermische Kraftwerke und in Photovoltaik Anlagen investiert werden, aber auch Standards zu mehr Energieeffizienz sollen gefördert werden – denn jede nicht verbrauchte Kilowattstunde ist die sauberste Kilowattstunde.

Da wir nun andere Möglichkeiten haben, denke ich, dass AKWs den falschen Weg sind, um unseren Stromhaushalt zu sichern. Der Schweizer Franken kann nicht zweimal ausgegeben werden, entweder man investiert ihn in ein neues AKW oder man fördert erneuerbare Energien. Erneuerbare Energie und Energieeffizienz bergen unglaubliche Chancen für den Wirtschaftsstandort Schweiz: Wer diese Technologien im Griff hat, wird in den nächsten 10 bis 20 Jahren ein Exportgut erster Klasse haben. Und in diesem Bereich werden hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen. Dies ist meiner Meinung nach eine nachhaltige Lösung.

Nachhaltig heisst nicht, Uran abbauen welches noch in diesem Jahrhundert nicht mehr in konzentrierter Form vorhanden sein wird. Nachhaltig heisst auch nicht Uranerz abbauen und dabei riesige Mengen an CO2 zu produzieren. Nachhaltig heisst nicht, dass der produzierte Strom nicht der Kostenwahrheit entspricht. Nachhaltig heisst auch nicht, Strom zu produzieren und die Abfallproblematik zu vergessen.
Es darf kein zweites Kölliken bei der Abfallentsorgung geben und Tschernobyl darf sich nie mehr wiederholen.

Ziel soll es sein, eine nachhaltige Energieversorgung zu schaffen, welche uns nicht nur die Versorgungssicherheit bietet, sondern auch zwingend umweltverträglich und sozialverträglich ist. Dies ist zurzeit bei der AKW-Lösung nicht der Fall!

Deshalb dürfen wir nicht lange fragen, ist das auch tatsächlich realistisch? Wenn wir sehen, dass ein Ziel erreicht werden muss, werden wir dieses Ziel erreichen können, weil wir es erreichen müssen. Stünde hier Barack Obama hiesse es nun: – “Yes, we can!“

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